Sagen aus Lochau

Sagen aus Lochau

Guten Abend

Der Bauer Jäger von Stein ging einmal am Abend von Moos herunter seiner Behausung zu.
Wie er ins Besenreis kommt, sieht er im Schanzengraben, der beim Rhombergstein vorbeigeht, einen großen Herrn im Frack und mit einem „langen Hut“ auf sich zuschreiten. „Goete-n-Obed!“ grüßt der Bauer. Aber der noble Herr nimmt ihm den Gruß gar nicht ab. „Leck me im Füdlo! Hoscht des oa it ghert, herscht des ander o it!“ sagt der Bauer ganz verwildet und schaut nach dem fremden Herrn um. Da sieht er – wer beschreibt sein Entsetzen -, daß der Herr keinen Kopf mehr hat. – „l gang hüt no it z‘ Nacht uffe, it um fufzg Gulde!“ setzte der Erzähler, ein ehemaliger Senn, hinzu.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 25, S. 42

Komm nur

Der Bauernbursch Huber vom Weiler Galgenbühel bei Lochau ging einmal in der Nacht von Möggers heimzu.
Es war Sonntag und der Bursch hatte ein ganz neues Gewand an.
Er war nicht wenig stolz auf sein stattliches Aussehen und noch kuraschierter als sonst.
Auf dem Katzensteig rief er: „Kumm nu, kumm nu, Wieble!“ Da saß es ihm auch schon auf dem Rücken.
Er verlor den rechten Weg und irrte die ganze Nacht herum, ohne ihn wieder finden zu können.
Als es endlich dämmerte, sah er sich – auf dem Pestfriedhof von Gigelstein.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 32, S. 45

Die Aufhockerin an der Stundsul

Josef Bilgeri von Lochau ging einst von Bregenz heimzu.
Es regnete und vor ihm her wanderte ein Weib mit einem aufgespannten Regenschirm.
Wie er so dahinschritt, drehte sich das Weib um und wollte ihn unterstehen lassen. Er sagte aber nein, er sei den Regen schon gewöhnt. Das Weib ging dann noch bis zur Stundsul vor ihm her, wo er nach Kugelbeer abzweigte.
Jetzt machte es ihn furchtbar schnaufen; er spürte auf einmal eine grausige Last auf den Schultern und konnte sie nicht abwerfen. Ganz verschwitzt und matt und müde kam er endlich nach Hause. Das Weib war gewiß eine Hexe. Was wäre dem Manne erst geschehen, wenn er mit ihr unter dem Regendach gegangen wäre!

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 33, S. 45

Der Klushund auf der Bank

Der Stücklefergger Knapp in Riefensberg ging alle Wochen von dort mit den Stückle in die Schweiz. Da stand er auch einmal um zwei Uhr früh auf und machte sich mit den Stickereien auf den Weg nach Lindau, um dann mit dem Schiff in die Schweiz hinüber zu fahren.
Es war noch dunkel, als er die Klus erreichte. Müde vom langen Wandern setzte er sich auf ein steinernes Bänkle, um etwas auszuruhen.
Bevor die Bahn von Bregenz nach Lindau gebaut war, befanden sich bekanntlich an der Klus, in den See hinein gebaut, drei kleine Anlagen an der Straße, mit steinernen Ruhebänken, die von Kastanienbäumen beschattet waren. Da gewahrte der Mann auf einer andern Bank etwas Schwarzes. Er glaubte, es sei ein Mantel und ging auf das Bänkle zu. Wie er aber nach dem vermeintlichen Mantel greifen wollte, fuhr er entsetzt zurück, denn es war ein greulicher schwarzer Hund mit mächtig großen, glühenden Augen. Jetzt spürte der Mann keine Müdigkeit mehr, er lief was er laufen konnte Lindau zu. Das war der Klushund.

Dieses Erlebnis hat der Stücklefergger Knapp – er starb vor einigen Jahren – sein Lebtag nicht mehr vergessen und in alten Tagen noch oft erzählt.

Quelle: Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 5, S. 32f

Mit freundlicher Genehmigung von www.sagen.at

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